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Sondertipp 11 - 11 / 11

Dienstag, 22.November 2011 Herausgeber: Tipps vom Experten Von Patricia Kurz

Wenn das eigene Kind stirbt

Teelichter im Dunkeln

Plötzlicher Kindstod, Krebsdiagnose, Unfall oder Selbstmord – nichts ist für Eltern schlimmer als der Tod des eigenen Kindes. Das Leid und der Schmerz sind für alle Betroffenen unvorstellbar und nicht selten wird durch diesen tragischen Verlust die ganze Familie zerstört. Wie die Eltern und die Geschwister damit umgehen lernen, welche Alarmsignale es gibt oder welche Vorsichtsmaßnahmen helfen können beschreibt dieser Bericht anhand von vier unterschied- lichen Beispielen.

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Tod, Trauer, Schmerz

Es ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann: Das eigene Kind stirbt. Eine Dramatik, die sowohl Vater und Mutter, aber auch die Geschwister betrifft und alles, was bisher normal und lebenswert war außer Kraft setzt. Unendliche Trauer gilt es zu bewältigen, manchmal auch die schwer wiegende Schuldfrage zu überwinden. Eine eindeutige Antwort nach dem Warum gibt es meistens nicht. Der Tod des Kindes ist kaum überwindbar und trotzdem muss das Leben weitergehen. Das Wie ist allerdings nicht vorstellbar. Und nicht selten zerbricht an diesem Unglück auch noch die Familie, der letzte Halt, der in diesem tragischen Moment noch einen Funken Hoffnung erlaubt. Das verstorbene Familienmitglied hinterlässt eine Lücke, die kaum wieder zu schließen ist und jedes einzelne Familienmitglied muss lernen mit diesem Verlust zu Recht zu kommen. Ob der Tod des Kindes vorhersehbar war oder plötzlich kam, spielt dabei keine Rolle, das Leid ist immer gleich groß. Ebenso oft auch die Wut und erdrückendes Ohnmachtgefühl. In dieser erschütternden Reportage werden vier Fälle von Kindstod aufgezeigt. Die Ursache für das Sterben ist jedes Mal anders. Zurück bleiben immer die Familienmitglieder, die etwas überwinden müssen, das eigentlich nie zu überwinden ist. Dieser Bericht beschreibt den schweren Weg der Zurückgebliebenen, erklärt die Hintergründe, weist auf ernst zu nehmende Warnzeichen hin, gibt Tipps zur Vermeidung von Gefahrensituationen und erklärt, welche Hilfe es gibt, diese tragische Situation zu meistern. Doch es soll vorBabyhand liegt auf Mutterhand allem eins zeigen: Es gibt Hoffnung für die Betroffenen mit der Trauer umzugehen und zu lernen das Leben trotz dieses Schicksalsschlags wieder anzunehmen…

Der Plötzliche Kindstod

Die kleine Astrid wurde nicht einmal zwei Jahre alt. Mit knapp 18 Monaten lag das fröhliche Mädchen mit den dunklen Locken morgens tot im Bett! Ein unglaublicher Schock für die Mutter Franziska und Vater Stefan. Ein Moment, der das Leben für immer veränderte, ein nicht aufhörender Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt. Am Abend zuvor hatte das kleine Mädchen noch mit seinem Papa gespielt, fröhlich Bauklötze aufeinander gestapelt und brav sein Abendessen zu sich genommen. Liebevoll hatte ihre Mutter es anschließend in das eigene kleine Bettchen gelegt, ihr noch eine Geschichte erzählt und sie zugedeckt. Nichts deutete auf diese dramatische Situation hin, im Gegenteil, Astrid konnte endlich wieder ruhig einschlafen, nachdem sie eine Woche lang unter Schnupfen gelitten hatte und deshalb schlecht atmen konnte. Doch am nächsten Morgen war Astrid tot, gestorben am plötzlichen Kindstod lautete das Ergebnis der Pathologie.

„Der Schmerz wird nie weniger!“

„Zwei Jahre ist das jetzt her“, erzählt die Mutter heute, „doch es vergeht immer noch kein Tag, an dem wir nicht an unsere Astrid denken. Der Schmerz wird nicht weniger, wir haben nur gelernt, damit zu leben. Und selbst das gelingt uns nicht immer. Es gibt Momente, in denen ist das Leid über ihren Verlust so groß, dass ich das Gefühl habe, keine Luft mehr zu bekommen. Die Verzweiflung überkommt mich wie aus dem Nichts. Und selbst in den so genannten guten Momenten ist nichts mehr so wie es war. Ein unbeschwertes Lachen wird es in unserem Leben nicht mehr geben!“

Einsamer Teddybär

So tragisch dieser plötzliche Kindstod, auch Sudden Infant Death Syndrom (SIDS) genannt, für alle Betroffenen ist, er ist leider kein Einzelfall. Beinahe jeden Tag stirbt in Deutschland ein Kind daran. Allerdings gibt es immer weniger Fälle. 1990 starben noch 1300 Kinder am plötzlichen Kindstod. 2007 waren es „nur noch“ 230. Der plötzliche Kindstod kann bei Kindern bis zu drei Jahren passieren, meistens allerdings zwischen dem zweiten und dem 12 Monat, häufiger bei Jungen als bei Mädchen, im Winter häufiger als in den anderen Jahreszeiten. Ein Grund dafür kann laut Experten sein, dass die meisten verstorbenen Kinder zuvor eine leichte Atemwegserkrankung hatten. Eine klare Ursache gibt es jedoch bis heute noch nicht.

„Darüber reden ist wichtig!“

Auch der Schauspieler Hardy Krüger Jr. Und seine Frau verloren ihren Sohn Paul-Luca mit acht Monaten am Plötzlichen Kindstod. Einen Tag nach seiner Taufe. „Es gibt keine Worte dafür und keine Erklärung“ erzählt Hardy Krüger Jr. in einem Interview. „Niemand, der nicht selbst ein Kind verloren hat, kann sich vorstellen was uns widerfahren ist.“ Auch Monate nach dem schrecklichen Verlust ist an Schlaf nicht zu denken. Die Nächte sind am schlimmsten, da einem immer wieder diese schrecklichen Bilder durch den Kopf gehen.“ Trost und Hilfe hat er bei Freunden und Verwandten bekommen und in seiner Arbeit. „Es ist wichtig einfach darüber zu reden, dass man nicht versucht es runter zu schlucken oder zu Hardy Krüger Jr.verschweigen. Es tut gut darüber zu reden!“ Darüber zu reden, möglichst mit einem geschulten Psychologen aber auch mit Menschen, die einem nahe stehen, empfiehlt auch die „Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod e.V. Deutschland“ (GEPS). Denn gerade die psychosozialen Folgen sind für die Hinterbliebenen immens.
Da die Ursachen für den Plötzlichen Kindstod nicht fest stehen, leiden die Eltern unter Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen. Erschwerend kommt hinzu, dass die fehlende Todesursache von der Polizei und der Pathologie untersucht werden muss. Denn selbst Ärzte und Experten stehen bis heute vor einem Rätsel, was den Plötzlichen Kindstod auslösen kann. Deshalb muss SIDS auch durch eine offizielle Obduktion geklärt werden. Es gibt zwar einige Vermutungen über die Ursache, zum Beispiel, dass die Mutter noch sehr jung ist, das Baby nicht gestillt wurde, eine Überwärmung des Säuglings oder eine Mehrlingsgeburt, doch sichere Erkenntnisse gibt es nicht.

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod ihrer Kinder müssen sich die Eltern und die anderen Familienmitglieder ihren Weg zurück ins Leben hart erkämpfen. „Auf meinen Armen habe ich Paul-Lucas zur taufe in die Kirche getragen, sieben Tage später im Sarg aus der Kirche wieder heraus. Das ist nicht begreifbar. Das ist nicht zu ertragen“, beschreibt der Schauspieler seine Gefühle. „Ich will meinen Sohn zurück, dann ist alles wieder gut!“ Dieser Wunsch wird sich leider nie erfüllen.

Weitere Informationen und Links zu diesem Thema:
www.geps.de/cms/front_content.php?path=Der-Ploetzliche-Saeuglingstod/
www.elternimnetz.de/familie/krise/tod.php#4

Was die Eltern an Präventionsmaßnahmen gegen den Plötzlichen Kindstod tun können

Was tun, damit das Risiko für einen Plötzlichen Kindstod gesenkt werden kann. Auch hier weiß die GEPS Rat. Folgende Faktoren sollten die Eltern auf jeden Fall beachten:

  • Das Kind sollte im ersten Lebensjahr immer in Rückenlage
    und nicht auf dem Bauch schlafen
  • Baby saugt an Mutterbrust
  • Die Zimmertemperatur soll zwischen 16 und 18 Grad liegen
  • Der Säugling sollte sowohl vor als auch nach der Geburt in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen
  • Der Säugling sollte statt einer Bettdecke einen von der Größe passenden Schlafsack haben
  • Der Säugling sollte mindestens sechs Monate gestillt werden
  • Der Säugling sollte im elterlichen Schlafzimmer, aber in einem eigenen Bettchen schlafen.

Diagnose: Krebs!

Über 2000 Kinder bis 15 Jahre sterben jährlich in Deutschland an einer nicht heilbaren Krankheit, die meisten von ihnen an Krebs. Ein Drittel, und damit die häufigste Krebsform, ist Leukämie, aber auch die Hodgkinsche Krankheit (Lymphgewebe- und Milzkrebs) – meist bei Kindern bis drei Jahren - oder Hirntumore treten besonders oft bei Kinder und Jugendlichen auf. Die Heilungschancen haben sich in den letzten Jahren zwar durch neue Behandlungsmethoden verbessert, fast 80 Prozent der jungen Patienten werden geheilt. Doch nicht immer geschieht das „Wunder“ einer Genesung. Wie im Fall der zehnjährigen Laura. Laura war ein gesundes und munteres Kind – bis sie etwa sechs Jahre alt war. Immer häufiger litt sie plötzlich unter starken Kopfschmerzen. Die Ärzte beruhigten ihre Mutter Katharina lapidar mit den Worten: „Auch Kinder leiden manchmal unter Migräne!“Arzt betrachtet Röntgenbilder Ein schrecklicher Irrtum. Denn während eines Friseurbesuchs mit ihrer Mutter erlitt Laura einen epileptischen Anfall und kam ins Krankenhaus. Die furchtbare Diagnose: ein Gehirntumor! „Muss ich daran sterben?“, fragte Laura ihre Mutter ängstlich. In einer sofortigen Operation wurde ihr zwar der Tumor entfernt, aber wegen der folgenden Chemotherapie fielen Laura die Haare aus. „Ich verpasste ihr erst einen Kurzhaarschnitt, später rasierte ich den Rest einfach ab“, erzählt ihre Mutter Katharina auf ihrer eigenen Webseite www.krebskind-laura.de. Laura litt sehr darunter, schaute sich im Spiegel an und fing an zu weinen. Doch der Haarausfall war natürlich nicht das Schlimmste. Die ständigen Spritzen taten Laura sehr weh, außerdem kämpfte sie während der Therapie gegen Übelkeit. Und sie lebte meist sehr isoliert in dieser Zeit. Draußen spielen, eine Schneeballschlacht oder ähnliches war verboten. Denn selbst ein harmloser Schnupfen hätte ihren Tod bedeuten können, so geschwächt war ihr zarter, kleiner Körper. Doch all das Leiden schien sich gelohnt zu haben. Nach Ablauf der Therapie gaben sich die Ärzte hoffnungsvoll, dass Laura wieder ein normales Leben führen würde. Bis bei einer Routineuntersuchung ein Rezidiv (wieder auftretenden Tumor) des Primärtumors entdeckt wurde. Wieder begann der schreckliche und leidenvolle Kampf um ihr Leben. Cortisonbehandlungen ließen Lauras Körper aufschwemmen, Katheter wurden unter schmerzhafter Prozedur gelegt, eine Strahlentherapie begonnen. Doch alles war vergeblich. 2003 starb Laura an Krebs. Sie und ihre Mutter haben fünf Jahre lang gekämpft, gelitten, geweint und gejubelt. Am Ende haben sie den Kampf verloren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wenn ein Kind schwer erkrankt, beginnt für alle eine schwere Zeit voller Höhen und Tiefen. Denn natürlich klammert sich jeder erst einmal an jeden noch so kleinen Strohhalm, jede noch so winzige Verbesserung des Zustandes führt zu regelrecht euphorischen Glücksmomenten. Umso schlimmer ist dann die Enttäuschung, die Wut, wenn die Blutwerte sich wieder verschlechtern oder neue negative Befunde von den behandelnden Ärzten verkündet werden. Außerdem sind die Eltern gezwungen sich mit dem Tod auseinander zu setzten. Mit dem Tod des eigenen Kindes, für das sie wahrscheinlich das eigene Leben geben würden, wenn es nur dadurch wieder gesund werden würde.

Herz aus Stein mit Text

„Warum mein Kind und nicht ich?“

Gerade bei der Behandlung von Krebserkrankungen sind Schmerzen und Übelkeit nicht zu vermeiden. Jede Spritze, jede Punktur, jede neue Chemotherapie wird von Angst begleitet, nicht nur von dem Kind oder Jugendlichen, auch von den Eltern und sogar von den Geschwistern. Die Eltern versuchen meist das komplette Leben auf den kleinen Patienten einzustellen, ihr eigenes normales Leben wird dabei verständlicherweise völlig in den Hintergrund gestellt. Und sie müssen innerhalb kürzester Zeit zu medizinischen Experten werden, damit sie überhaupt verstehen, was im Körper ihres Kindes vorgeht. Natürlich gibt es dazu ausreichend Material im Internet, zum Beispiel auf der Webseite www.krebshilfe.de. Dort wird ausführlich und verständlich über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt. Doch ein gewisser Unsicherheitsfaktor, ob man alles richtig gemacht hat, bleibt immer. Erst Recht, wenn die Behandlung nicht anschlägt, die Qualen für das Kind immer größer werden und der Tod unvermeidlich wird. In manchen Fällen empfinden Mutter und Vater dann nachdem ihr Kind gestorben ist ein Gefühl der Erleichterung. Endlich keine Schmerzen mehr. Gleichzeitig kann aber auch ein Schuldgefühl zur extremen Belastung werden. Warum darf ich weiterleben und mein Kind nicht? Warum musste es solche Schmerzen ertragen und nicht ich?

Weitere Themen und Links zu diesem Thema:
www.inkanet.de/db/krebsarten/kinder/index.html

Hilfe auf dem Weg zum endgültigen Abschied

Hilfreich auf dem Weg in den unausweichlichen Tod können dabei die Kinderhospize sein. Als Vater dieser Bewegung gilt Jürgen Schulz, der nach dem Tod seines Sohnes den „Sonnenhof“ (www.sonnenhofberlin.de/sonnenhof.html) eröffnete. Dort und in den anderen Kinderhospizen in Deutschland (www.hospize.de/docs/hospizadressen/Kinderhospizarbeit_Deutschland.pdf), www.ruhen-und-tun.de/tod-kinder.htm Eltern am Sargbekommen Eltern und Kinder die dringend notwendige Hilfe in der Zeit vor dem endgültigen Abschied. Neben medizinischer und ärztlicher Betreuung steht hier vor allem der Mensch im Mittelpunkt. Die Eltern bekommen Hilfe bei bürokratischen und finanziellen Fragen. Doch vor allem soll die restliche Zeit des jungen Patienten so lebenswert und angenehm wie möglich gestaltet werden. Ihr Motto: Es darf gelacht werden, auch in schwersten Zeiten.

Verzweiflungstat Selbstmord

Selbstmord ist bei jungen Menschen eine der häufigsten Todesursachen. Experten schätzen, dass 3 bis 10 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 Trauriges Mädchen nähe Bahngleisund 17 Jahren aktuell an einer schweren Depression leiden. Und die Zahlen nehmen weltweit ständig zu. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Selbstmordrate in den letzten 45 Jahren um 60 Prozent gestiegen. Eine Studie von Wissenschaftlern um Prof. Matthew Nock von der Harvard University die im British Journal of Psychiatry erschienen ist, besagt, dass besonders junge Menschen und Menschen mit geringer Ausbildung und seelischen Erkrankungen betroffen sind. Nock hat 85.000 Menschen in 17 Ländern, darunter auch Deutschland, befragt. Das Ergebnis ist erschreckend. Beinahe 10 Prozent der Befragten gaben an Selbstmord schon mal in Betracht gezogen zu haben, fast 3 Prozent gaben zu, einen Selbstmordversuch unternommen zu haben.

Martin sah den Tod als
einzigen Ausweg

Einer dieser Jugendlichen war Martin aus Stuttgart. Doch bei ihm blieb es nicht bei einem Selbstmordversuch. Martin starb mit 16 Jahren. Er erhängte sich im Wald, alleine und verzweifelt. Und keiner konnte ihm mehr helfen. Dabei galt der sensible Junge zuvor als besonders talentiert. Außerdem wuchs er in einer liebevollen Familie mit vier Geschwistern auf. Probleme mit Mitschülern oder Freunden gab es nicht. Seine Noten waren sehr gut. Allerdings hatte er ein eher zurückhaltendes, scheues Wesen. Wilde Partys waren nicht sein Ding. „Martin war immer schon sehr ruhig, doch von Depressionen haben wir alle nichts bemerkt. Er konnte fröhlich lachen, interessierte sich für Comics, Bücher und Kunst und hatte ganz klare Zukunftsziele“, erzählt seine jüngere Schwester Tina. Das Drama begann, als Martin in der neunten Klasse der Realschule war. Schon damals wusste er, welchen Beruf er ergreifen wollte: Grafiker. Doch dann zerstörte ein kleiner Sehtest all seine Träume. Bei Martin wurde Farbenblindheit diagnostiziert. Ein Schock für den sensiblen Jugendlichen. Denn mit der Entdeckung seiner Rot-Grün-Schwäche musste er seinen Traumberuf begraben. „Plötzlich sackten seine Schulnoten in den Keller, er ging überhaupt nicht mehr vor die Tür und reagierte aggressiv oder gar nicht, wenn seine Eltern oder Geschwister mit ihm reden wollten. Er baute eine Mauer des Schweigens um sich auf!“ Monatelang vergrub sich Martin regelrecht in seinem Zimmer. Selbst die Ärzte und Psychologen, die seine Mutter zu Rate zog, konnten ihm kein Wort, keine ehrliche Aussage über sein inneres Seelenleben entlocken. Doch dann, einige Monate später, veränderte sich Martin. „Plötzlich wirkte er wieder fröhlich und entspannt. Er lachte viel, begann sich wieder mit Freunden zu Junge Frau sitzend vor frischem Grabtreffen, redete von seiner Zukunft und besuchte den Schulberater wegen eines Ausbildungsplatzes“, erzählt Tina weiter. Bis zu diesem einen, verhängnisvollen Tag. Martin machte sich am Nachmittag mit dem Fahrrad auf um einen Freund zu besuchen – angeblich. Doch er kehrte nicht zurück. Als er nicht zum Abendessen erschien – er war sonst besonders pünktlich und zuverlässig – machte sich seine Familie zum ersten Mal Sorgen. Doch Martin blieb verschwunden, tauchte auch in den nächsten Tagen nicht auf. Sofort wurde die Polizei eingeschaltet, aber auch deren Suche blieb erfolglos. Bis zu dem Tag, an dem ein Spaziergänger eine grauenvolle Entdeckung machte. Martin hatte sich im Wald erhängt, in seiner Tasche ein Abschiedbrief, in dem er sich für seinen Freitod und dem Leid, den er dadurch seiner Familie zufügt, entschuldigte. Er sehe in seinem Leben keinen Sinn mehr. Der Tod wäre für ihn eine Erlösung!

Die Alarmzeichen richtig deuten

Keine Seltenheit, wissen die Experten. Denn wenn die seelisch Erkrankten nach einer längeren Zeit des Leidens die Entscheidung treffen freiwillig aus dem Leben zu scheiden, ist das für sie wie eine Erleichterung. Das erklärt auch in den meisten Fällen den Verhaltenswechsel. Doch was von den Angehörigen und Freunden als gutes Zeichen gewertet wird – sie glauben, der Selbstmordgefährdete hat seine depressive Phase endlich überwunden – ist in Wahrheit ein alarmierendes Zeichen. Spätestens jetzt sollte schnellstens gehandelt werden.

Depressive Symptome, Melancholie, Trauer oder Interesselosigkeit sind normal in der jugendlichen Entwicklung. Darin besteht die Problematik bei der eindeutigen Diagnose. Eindeutig kann sie nur ein Fachmann, Arzt oder Psychologe stellen. Doch bei der Erkennung spielen auch Familienmitglieder, Lehrer oder Freunde eine große Rolle. Folgende Symptome gelten auf jeden Fall als Alarmzeichen:

  • Rückzug von Hobbys starker Leistungsabfall in der Schule
  • extreme Änderung im Verhalten und Aussehen von daheim ausreißen
  • totale Isolierung von Freunden
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch

Besteht der Verdacht einer Depression, muss sofort gehandelt werden, denn oft beträgt der Zeitraum vom Auftreten der ersten Symptome bis zum ersten Selbstmordversuch weniger als ein Jahr. Als erstes müssen Eltern verstehen lernen, dass das depressive Kind nicht faul oder aggressiv ist. Es ist sich seines „Missverhaltens“ sehr wohl bewusst, kann aber nicht anders, fühlt sich alleine gelassen und kann sich selbst nicht lieben und akzeptieren. Eine professionelle Diagnose und Behandlung ist ebenso wichtig wie das ruhige und verständnisvolle Gespräch mit den Eltern. Die Behandlung sollte auf jeden Fall mit dem Kind abgesprochen werden. Sinnvoll ist häufig auch eine Familientherapie. Und in manchen schweren Fällen empfiehlt sich eine stationäre Behandlung. Hilfe geben auch die vielen offiziellen Beratungsstellen (siehe Links für Beratungsstellen), die gerade für die leidenden Kinder und die hilflosen Eltern immer ein offenes und geschultes Ohr haben.

Die nagende Frage nach dem Warum

Besonders furchtbar bei einem Selbstmord des eigenen Kindes ist die Frage des Warums. Zu dem Verlust kommt noch der unausgesprochene Vorwurf, warum man nicht in der Lage war dem Kind zu helfen. Warum man nicht die Symptome gesehene hat, warum man nicht rechtzeitig reagiert hat. In dieser Phase sollten weder Eltern noch Geschwister zögern, Hilfe anzunehmen, zum Beispiel bei dem Verein „Verwaiste Eltern e.V.“(siehe Links Beratungsstellen). Denn diese Last alleine zu tragen ist unmenschlich.

Weitere Informationen und Links zu diesem Thema:
www.bkjpp.de/pm/eltern_experten/pm_11_02_08.pdf
www.elternimnetz.de/familie/krise/tod.php#4

Links für Beratungsstellen:
www.kinder-und-jugendtelefon.de/
www.kinder-psych.de/
www.bke-elternberatung.de/
www.verwaiste-eltern-muenchen.de

Der Tod betrifft die ganze Familie

Stirbt ein Kind, stirbt auch ein Teil der Familie. Und jedes Mitglied leidet. Allerdings können sich die Eltern meist emotional ganz anders mit diesem Schicksal auseinandersetzen als die Geschwisterkinder. Die zurückgebliebenen Geschwisterkinder haben eine unendlich große Last zu tragen. Sie müssen nicht nur mit dem Tod des geliebten Bruders oder der geliebten Schwester zu Recht kommen. Sie erleben auch die Eltern in tiefer Trauer. Und leider sind sie in dieser schwierigen Situation oftmals auf sich selbst gestellt, da ihre Mutter und ihr Vater in ihrer Verzweiflung nicht den nötigen Halt geben können. Geschwister haben eine wesentlich engere Beziehung zueinander als es nach außen hin scheint. Nicht selten entwickeln Geschwister deshalb nach dem Tod des Bruders oder der Schwester die Phantasie, dass sie Mitschuld tragen an den tragischen Entwicklungen. Sie glauben zum Beispiel, dass ein Streit, eine Rangelei oder ähnliches die Ursache für den Tod gewesen ist. Dieses Missverständnis muss natürlich sofort ausgeräumt werden. Unglücklicherweise wird dieser Zustand meist relativ spät erkannt. Die Folgen ihres Falschglaubens können Depressionen, Aggressionen oder Zurückgezogenheit sein und sind für das Geschwisterkind katastrophal.

Kind liegt blutend auf Strasse

Tod ohne Abschied

Eltern müssen unbedingt das Gefühl vermitteln, dass sie das lebende Kind ebenso lieben wie das verstorbene Kind. Und das fällt ihnen in dieser tragischen Situation schwer, besonders wenn ihr Kind verstorben ist, ohne das sie Abschied nehmen konnten. Ein unvorherge- sehener Unfall oder ein Selbstmord entreißt das Kind aus den Armen der Eltern und Familienmitglieder, ohne dass sie eine Möglichkeit hatten, sich mit dem Tod auseinander zu setzen. Der Schockzustand lässt deshalb bei den Betroffenen auch keine Möglichkeit zu, sich innerhalb der Familie mit dem Ableben des Kindes auseinanderzusetzen. Im Gegenteil. Der Verlust wird zur Schweigemauer. Doch die Geschwisterkinder müssen die Möglichkeit haben, ihren verstorbenen Bruder oder Schwester in Erinnerung zu behalten. Dazu gehören nicht nur Bilder, private Spielsachen oder das Kuschelkissen, sondern auch die Möglichkeit, sich über ihn oder sie zu unterhalten. Auch wenn das den Eltern unglaublich schwer fällt, ist es nach Meinung der Psychologen eine besonders gute Form der Trauerverarbeitung.

Wie geht es weiter?

Nach dem Tod eines Kindes neigen viele Eltern dazu, das noch lebende Kind nicht mehr aus den Augen zu lassen. Ihr verbliebener „Schatz“ wird geradezu überbehütet. Einige der nachvollziehbaren Vorsichtmaßnahmen schränken jedoch das normale Leben, das ein Kind braucht um sich entfalten und entwickeln zu können, immens ein. Auch die ehemals alltäglichen Erziehungsmaßstäbe sind kaum noch durchführbar. Zu sehr hat sie das Leben nach dem tragischen Verlust verändert. Hinzu kommen psychische Schockzustände bei den Eltern, Verschlossenheit, unüberwindbare Trauer und Zurückgezogenheit. Psychologen, Ärzte und Analytiker wissen, dass es ohne medizinische und psychologische Behandlung kaum eine Chance gibt aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Je früher sich die Betroffenen diesem Schicksalsschlag stellen, je offener sie damit umgehen, je mehr sie darüber reden, umso schneller können sie wieder anfangen zu leben. Auch wenn gerade dies sich besonders erschreckend für die Betroffenen anhört. Und Menschen, die trauernde Eltern begleiten, wissen, dass der Verlust auch Jahre später noch unstillbare Tränen, Verzweiflungsattacken, Wutausbrüche oder tiefe Depressionen auslösen können. Sie wissen aber auch, dass diese traurigen Gefühle weniger werden, verarbeitet werden können, neuer Lebensmut entsteht.

Weitere Links zu diesem Thema:
www.elternimnetz.de/familie/krise/tod.php#4
www.verwaiste-eltern.de
www.leben-ohne-dich.de/presse23.htm

Kreuz am Strassenrand

Wenn der Notarzt nicht mehr helfen kann – der Unfalltod

An einer der vielbefahrendsten Kreuzungen mitten in einer Deutschen Großstadt hängen an einem Laternenmast unzählige kleine Beileidskarten mit von Kinderhand geschriebenen Trauernachrichten. Darüber ein Bild eines etwa 12 Jahre alten Jungen, das seit Monaten täglich mit neuen Blumen geschmückt wird. Genau an dieser Stelle kam der 12jährige Acar zu Tode Er wurde neben einem Zebrastreifen von einem Auto überfahren, vor den Augen von etwa zwanzig Passanten – darunter drei seiner besten Freunde. Der sofort alarmierte Notarzt konnte nichts mehr für ihn tun. Acar starb noch an der Unfallstelle an seinen Verletzungen. Der Junge ist bei Rot über die Straße gelaufen, der Unfallfahrer konnte ihn nicht rechtzeitig sehen, nicht mehr bremsen. Das besonders tragische dabei. Acar wusste genau, dass gerade bei diesem Fußgängerübergang erhöhte Gefahr durch den starken Verkehr drohte. Doch er wollte seinen Freunden seine Stärke beweisen und hat sich deshalb auf diese Mutprobe eingelassen. Es wurde seine letzte.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Jedes Jahre werden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt (www.gbe-bund.de/gbe10/owards.prc_show_pdf?p_id=13246&p_sprache=d) rund 280.000 Kinder und Jugendliche mit Unfallverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Mehrere hundert dieser jungen Patienten verlassen das Krankenhaus nicht mehr lebend. Nicht immer fand der Unfall im Straßenverkehr statt. Auch daheim oder beim Spielen auf dem Spielplatz kommt es immer wieder zu tödlichen Verletzungen. Die Unfallgefahr bei Kleinkindern liegt hauptsächlich im häuslichen Bereich. Doch in der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren gibt es die meisten tödlichen Unfälle auf der Straße. Und ebenso wie bei Acar sind die Unfallopfer oftmals selbst verantwortlich. Nicht nur Mutproben sind die Ursache für diese schrecklichen Unfälle. In der Pubertät werden gewisse Bereiche des Gehirns sozusagen neu vernetzt. In dieser Zeit sinkt das Verantwortungsgefühl rapide ab, die Risikobereitschaft nimmt extrem zu. Die Jugendlichen sind überhaupt nicht vollständig in der Lage, sämtliche Konsequenzen ihres Handels zu bergreifen und begeben sich so völlig unabsichtlich in gefährliche Situationen.

Unfallstatistik

„Ihre letzten Worte an ihn waren im Streit!“

Die Familie und Freunde von Acar waren geschockt. Gerade noch stand der sportliche Junge voll im Leben, doch dann, von einer Sekunde zur nächsten war er tot. Es gab keine Möglichkeit, sich auf diesen tragischen Moment vorzubereiten. Im Gegenteil, seine Freunde waren sogar Augenzeugen dieses schrecklichen Unfalls. „Diese Bilder, wie Acar blutend und leblos auf dem Asphalt liegt, wie der Notarzt immer wieder versucht hat ihn wieder zu beleben und wie letztendlich sein Körper mit einem Tuch abgedeckt wurde, werde ich nie wieder vergessen“, erzählt einer seiner Freunde. „Immer wieder wache ich nachts auf, weil mich Albträume plagen. Es ist so schlimm, dass sich sogar in psychologischer Behandlung bin!“ Auch die Familie, neben seinen Eltern hatte Acar eine Schwester und einen älteren Bruder, konnten mit dem Schmerz nicht alleine zu Recht kommen. Die Mutter brach zusammen, musste zur Stabilisierung ins Krankenhaus, als sie die Nachricht vom Tod ihres jüngsten Sohnes erhielt. Ohne Psychopharmaka übersteht sie keinen Tag mehr, ihre Arbeit hat sie aufgegeben. Der Bruder verdrängt seine Trauer, in dem beinahe jede Nacht unterwegs ist, so zu sagen den Schmerz weg feiern. Bei Acars Schwester haben sich die schulischen Noten so verschlechtert, dass sie versetzungsgefährdet ist. „Sein plötzlicher Tod hat uns die Lebensfreude genommen“, erzählt Acars Schwester. „Das Schlimmste dabei: Meine Mutter macht sich ständig Vorwürfe, weil sie an diesem Morgen noch einen Streit mit ihm hatte wegen einer Kleinigkeit. Im Streit hatte sie die letzten Worte an ihn gerichtet!“

Ein Funken Hoffnung am Horizont

Um den Tod eines Kindes zu bewältigen ohne an diesem tragischen Schicksal zu zerbrechen, ist es wichtig, dass sowohl die Eltern des verstorbenen Statue Mutter mit EngelskindKindes als auch die Geschwisterkinder psychologische Betreuung und Hilfe annehmen. Freunde und Verwandte können bei der Trauerbewältigung helfen, wenn sie mit den Betroffenen das Gespräch über das verstorbene Kind suchen – wenn das erwünscht und möglich ist. Denn eine Tabuisierung des verlorenen Kindes kann den Schmerz und die Trauer noch verstärken. Allerdings sollte jedem wirklich bewusst sein, dass Außenstehende niemals nach- empfinden können, wie groß die Qual der Betroffenen ist, wie tief ihr Schmerz sitzt. Aber der Zusammenhalt und die Nähe können den „verwaisten“ Eltern und Geschwistern wenigstens ein bisschen Trost in diesen schweren Stunden schenken. Doch vor allem ist eins wichtig: Zeit! Dieser schreckliche Verlust eines so jungen und geliebten Wesens verändert das Leben für immer. Und nur mit viel Zeit und Schmerzbewältigung ist es möglich, irgendwann wieder einen Weg im Leben einzuschlagen, der einen zarten Schimmer der Hoffnung am Horizont erkennen lässt. Denn das Leben muss weitergehen, auch wenn die Erinnerung niemals verblasst!

Autorin: Patricia Kurz, Journalistin in München
Herausgeber: Tipps vom Experten - Walter Braun, Kirchenstraße 79,
81675 München, Tel. 089 / 450 79 725, wb@tivex.de
Fotos: www.fotolia.de


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