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Der Aufstieg und tiefe Fall des Klaus F. Schmidt: Vom Sprudel-Millionär über Insolvenz zum spielsüchtigen Harz IV-Empfänger
In den 90er Jahren hatte Millionär Klaus F. Schmidt einfach alles: eine Villa, einen Sportwagen, eine Yacht und eine erfolgreiche Firma. Heute hat der ehemalige Spitzenunternehmer alles verloren. Der Grund für seinen Untergang: Spielsucht! Das Leben meinte es von Anfang an nicht gut zu Klaus F. Schmidt. Er ist noch keine fünf Jahre alt, da verlassen seine Eltern und seine Geschwister ihre Heimat Deutschland und ziehen auf der Suche nach dem großen Glück nach Kanada. Klaus ist noch zu klein zum Arbeiten und muss bei seiner Großmutter in Bremerhaven bleiben. Einen Halt und Ordnung schafft sie nicht, in sein Leben zu bringen. Klaus F. Schmidt macht was er will, seinen Hauptschulabschluss macht er nicht. "Ich war der Schlechteste von 800 Schülern", erklärt Schmidt in einem Interview für die "Süddeutsche Zeitung". "Mein Lehrer hat mir voraus gesagt, dass ich entweder kriminell oder ein Penner werde!".
Eine sprudelnde Idee Geworden ist aus ihm in den 90er Jahren ein Unternehmer, der mit seiner Firma einen Umsatz von 70 Millionen Euro jährlich hatte. Zu verdanken hat er diesen Erfolg einer sprudelnden Idee, dem Sodastream. "Ich war sofort überzeugt, dass es für dieses Gerät eine Nachfrage geben musste. Dieser Glaube an Erfolg hat mich eineinhalb Jahre lang am wirtschaftlichen Existenzminimum ausharren lassen. Diese Beharrlichkeit wurde dann mit dem überragenden Erfolg belohnt!" Beharrlichkeit war schon immer die Stärke von Klaus F. Schmidt. Und der Glaube an seine eigenen Fähigkeiten. Mit 17 Jahren arbeitet er als Page auf einem Passagierschiff, sieht so die ganze Welt und wird gefeuert, weil er mit einem mitreisenden Mädchen geknutscht hat. Danach heuert er auf einem Fischkutter an und muss dort die traumatischsten Erlebnisse machen. Vor seinen Augen wird ein Mädchen vergewaltigt. Ein Koch wird über Bord geworfen. Und Klaus F. Schmidt hat genug von der Seefahrt. Stattdessen hält er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Eines Tages soll er das Haus einer Nachbarin streichen. Anscheinend ist ihm das zur Zufriedenheit seiner Auftragsgeberin geglückt, denn bereits ein Jahr später hat er einen Handwerksbetrieb mit elf Mitarbeitern. Doch als ein Bauträger die ausstehenden Zahlungen verweigert, geht die Firma in Insolvenz. Nicht die erste Pleite im Leben des Klaus F. Schmidts. Und immer wieder versucht er die Umstände oder andere Menschen für seinen wirtschaftlichen Misserfolg verantwortlich zu machen. Seine Firma, die Seereisen im Mittelmeer vermittelt, geht mit dem Beginn des ersten Golfkrieges den Bach herunter. Niemand will dort Urlaub machen, wo Amerika einen Krieg gegen Saddam Hussein führt. Schmidt versucht es mit Humor zu nehmen. "Andere haben sicher mehr unter Saddam Hussein gelitten als ich", erklärt er in dem "Süddeutschen"-Bericht. Eine eigene Werbeagentur geht in Insolvenz, weil angeblich sein Hauptauftragsgeber versucht hätte, ihn zu erpressen. Aber Schmidt lässt sich nicht unterkriegen. Erfolg macht nicht immer glücklich Mit Sodastream katapultiert sich Schmidt an die Spitze des Erfolges. Er ist Herr über bis zu 70 Mitarbeitern und besitzt ein Vermögen, von dem andere nur träumen können und genießt das Leben in vollen Zügen. Er besitzt eine Traumvilla, eine Yacht und einen Sportwagen der Marke Viper. Doch all das kann Schmidt nicht wirklich glücklich machen. 1997 verkauft er seine Anteile für fünf Millionen Euro - eigentlich zu billig - und zieht sich zurück. "Ich war von einem Tag auf den anderen ohne Beschäftigung, ohne reizvolle Aufgabe", erklärt er die Situation damals. "Es entstand eine gewisse Leere. Vielleicht hat mir das gefehlt, so dass ich den Reiz am Roulette-Tisch gesucht habe. Dieser Reiz, die Spannung steigerte sich in ein unkontrollierbares Bedürfnis und wurde zu meinem neuen Lebensunterhalt. Innerhalb kürzester Zeit ist Klaus F. Schmidt süchtig. Und das, obwohl er hautnah miterlebt, wie andere Menschen neben ihm wegen ihrer Spielsucht zugrunde gehen. Sechs Tage die Woche steht er täglich am Spieltisch. Manchmal spielt er 12 Stunden am Stück. Den siebten Tag braucht er um auszuschlafen. Und am Ende ist von seinem Vermögen nichts mehr übrig. Anfang des neues Jahrtausends ist alles weg: Haus, Yacht, Geld und seine Viper. "Es ist wahrscheinlich gut, dass ich die Viper nicht mehr habe", erklärt er in der "SZ", "sonst hätte ich mich vermutlich schon längst zu Tode gefahren!" Schmidt steht vor den Trümmern seines Lebens, muss sich bei einem Freund einnisten, Hartz IV beantragen und leidet über Jahre hinweg unter diesem menschenunwürdigen Zustand. Den Schuldigen sucht er diesesmal bei den Spielbanken. Er verklagt die Bremer Spielbank. Seine Begründung: Weil er spielsüchtig ist, sei er geschäftsuntüchtig. Die Klage wird abgewiesen. Doch bis heute will Schmidt sich mit dem Urteil nicht zufrieden geben, wehrt sich im Recht. "Das Glücksspiel wird nie zu verhindern sein, aber die zerstörerischen Auswirkungen können verhindert werden. Dies ist die Aufgabe des Staates. Aus humanitären wie auch aus fiskalischen Gründen. Denn die Schäden übersteigen die Einkünfte. Glücksspiel nützt nur dem Einzelnen, nicht dem Allgemeinwohl!"
Mittlerweile wohnt Klaus F. Schmidt in einer kleinen Dachgeschoss-Wohnung und arbeitet als Unternehmensberater. Leben kann der ehemalige Multimillionär mehr schlecht als recht davon. Dafür hat er ein Buch über sein aufregendes Leben, den Aufstieg und den tiefen Fall geschrieben. Der Titel: "Nichts geht mehr. Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz IV-Empfänger". Ein zweites Buch ist bereits in Arbeit. "Dieses Buch soll Einblick geben, wie das Glücksspiel zur Sucht werden und einen Menschen in die Tiefe reißen kann", erklärt Klaus F. Schmidt seine Intention. Ihm selbst bleibt als ewige Mahnung eine weiße Roulettekugel - und die Erinnerung an bessere Zeiten… Text: Patricia Kurz Bilder: Mankau Verlag

Klaus F. Schmidt: Nichts geht mehr - Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz IV-Empfänger Mankau Verlag, 1. Aufl. März 2009 12,95 € (D) / 13,40 € (A) Broschur 14 x 21 cm, 213 Seiten ISBN 978-3-938396-28-5
Hier können Sie das vollständige Interview mit Klaus F. Schmidt lesen:
„Nachdem ich meine Geschäftsanteile verkauft hatte, war ich von einem Tag auf den nächsten ohne Beschäftigung, ohne reizvolle Aufgabe. Selbst die Millionen konnten diese Leere nicht kompensieren. Da wurde der Reiz am Roulette-Tisch, diese Sucht nach Spannung, zum neuen Lebensinhalt.“ Klaus F. Schmidt, Multimillionär a. D., spricht über Erfolge, Misserfolge und Wendungen in seinem bewegten und ungewöhnlichen Leben.
Mit dem Vertrieb der „Sodastream“-Sprudelmaschinen haben Sie in den 1990er Jahren Millionenumsätze erzielt. Was hat zu diesem Erfolg geführt?
Schmidt: Ich war überzeugt davon, dass es für diese Geräte eine Nachfrage geben musste. Dieser Glaube an den Erfolg hat mich eineinhalb Jahre lang am wirtschaftlichen Existenzminimum ausharren lassen. Diese Beharrlichkeit wurde dann durch den überragenden Erfolg belohnt.
In ihrer Autobiografie kann man nachlesen, dass Ihr Leben alles andere als geradlinig verlief. Wo sehen Sie im Rückblick die entscheidenden Wendepunkte in Ihrem Lebensweg?
Schmidt: Prägend war wohl der frühe Umgang ausschließlich mit Erwachsenen. Die zum Teil traumatischen Erlebnisse in der Seefahrt, der große Erfolg mit der Sodastream-Firma, aber auch der erste Besuch einer Spielbank haben mein Leben nachhaltig verändert.
„Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz-IV-Empfänger“ lautet der Untertitel Ihres Buches. Was machen Sie heute, und welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Schmidt: Ich bin als Unternehmensberater tätig und würde die Sodastream-Erfolgsgeschichte gerne mit einem neuen interessanten Produkt wiederholen. Außerdem schreibe ich zurzeit an einem neuen Buch.
Sie haben Ihr gesamtes Vermögen am Roulette-Tisch verloren. Worin sehen Sie die Ursachen für Ihre Glücksspielsucht und was haben Sie dagegen unternommen?
Schmidt: Nachdem ich meine Geschäftsanteile verkauft hatte, war ich von einem Tag auf den nächsten ohne Beschäftigung, ohne reizvolle Aufgabe. Da entstand eine gewisse Leere. Selbst die Millionen konnten das nicht kompensieren. Eine Firma mit 70 Mitarbeitern zu führen und sich der juristischen Winkelzüge der Mineralwasserindustrie zu erwehren, bedurfte schon einiger Anstrengungen. Das setzte Adrenalin frei. Vielleicht hat mir das gefehlt, so dass ich den Reiz am Roulette-Tisch gesucht habe. Dieser Reiz, diese Sucht nach Spannung, steigerte sich in ein unkontrollierbares Bedürfnis und wurde zum neuen Lebensinhalt. Ich konnte nichts dagegen unternehmen, weil ich nichts gegen mich unternehmen konnte.
Ihr spektakulärer Prozess gegen das Bremer Spielcasino sorgte vor einigen Jahren für großes Aufsehen und beschäftigte die Medien. Wie denken Sie heute über die Glücksspielindustrie?
Schmidt: Dieses Buch soll Einblick geben, wie das Glücksspiel zur Sucht werden und einen Menschen in die Tiefe reißen kann. Das Glücksspiel wird nie zu verhindern sein, aber die zerstörerischen Auswirkungen können verhindert werden. Dies ist die Aufgabe des Staates. Aus humanitären wie auch aus fiskalischen Gründen. Denn die Schäden übersteigen die Einkünfte. Glücksspiel nützt nur Einzelnen, nicht dem Allgemeinwohl! Ihr Erfolgskonzept lautet: „Gehe dem Erfolg auf den Grund und du wirst Beharrlichkeit finden!“ Woher stammt diese Maxime und wie hat sie Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst? Schmidt: Schon als Kind musste ich mich gegen widrige Umstände behaupten. Später in der Erwachsenenwelt verstärkte sich das noch. Das Wort „aufgeben“ war und ist für mich ein Fremdwort. Dennoch habe ich meine Beharrlichkeit nie als Lebensmotto begriffen. Ich denke, es ist nur eine persönliche Eigenschaft, die mir sehr geholfen hat, auch vermeintlich Unerreichbares zu erreichen, aber mich andererseits auch in große Gefahr gebracht hat. Ich habe beruflich immer Dinge begonnen, von denen ich anfangs wenig verstand, und dennoch war ich immer erfolgreich, egal, was es auch war. Die Voraussetzung meiner Erfolge war meine Beharrlichkeit. Letztendlich auch bei meinem größten Misserfolg, dem Glücksspiel. „Gehe dem Erfolg auf den Grund, und du wirst Beharrlichkeit finden“ erkannte schon Andrew Carnegie.
Was können Sie Menschen raten, die sich selbst als spielsüchtig bezeichnen und die nach einem Ausweg aus diesem Teufelskreis suchen?
Schmidt: Nur wenige Glücksspieler habe ich von sich sagen hören, sie seien spielsüchtig. Selbst wenn die Erkenntnis vorhanden ist, wird sie verdrängt und schon gar nicht gegenüber Dritten geäußert. Es ist wohl das Eingeständnis der größten Niederlage eines Menschen, wenn er feststellen muss, dass er keine Kontrolle mehr über sein Tun hat. Wenn er sehenden Auges in den Abgrund treibt. Und nichts und niemand, weder seine Familie noch Freunde noch das Wissen um das unausweichliche Ende, ihn vom Spielen abhalten kann. Dann ist er verloren, dann ist er spielsüchtig.Nur eine Vertrauensperson, die sein Verhalten zwar nicht gutheißt, aber es versteht oder zu verstehen versucht, wird dann noch Zugang zu dem Betroffenen finden. Der nächste Schritt sollte zu einer therapeutischen Hilfeeinrichtung führen. Nur den Wenigsten ist ein Loskommen von dieser heimtückischen Suchtkrankheit ohne Hilfestellung möglich. Vor dieser Sucht ist niemand, der sich dem Glücksspiel hingibt, gefeit.
Das Gespräch wurde im Feburar 2009 geführt.
Die Rechte liegen beim Mankau Verlag, Postfach 13 22, D-82413 Murnau a. Staffelsee, Tel. +49 (0) 88 41 / 62 77 69-0, Fax -6, kontakt@mankau-verlag.de, www.mankau-verlag.de.
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